Fehlende Perspektiven

Schnellstraßenoptik

Anstelle städtebaulicher Ziele dominieren in den Visualisierungen von SÖR Beton und Asphalt- was auch die nebulöse Grafik nicht verhehlen kann. Die Anmutungen zeigen allen Ernstes ausgewachsene Waldbäume, mitten in der Stadt, im Mittelstreifen, auf der Tunneldecke – jeder mag sich selbst überlegen, wie realistisch das sein kann. Vor allem aber zeigen die Grafiken Visionen einer autogerechten Stadt der 1960er Jahre. Städte wie Düsseldorf oder Ludwigshafen bauen solche Schein-Lösungen gerade zurück. Auch die einmontierten fröhlichen Menschen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass solche Grünstreifen keinerlei Aufenthaltsqualität besitzen würden.

Besser: Neuer Stadtboulevard

Die derzeitige Planung setzt keine der städtischen Lage angemessenen  gestalterischen Akzente, sondern führt den Außerorts-Charakter als anbaufreie Autobahn fort. Andernorts gibt es durchaus auch Stadtstraßen mit ähnlicher Verkehrsbelastung, z.B. die Leopoldstraße in München. Diese Beispiele verbinden eine leistungsfähige Hauptstraße mit urbaner Bebauung (Büros, Läden, auch Wohnen). Solche Stadtboulevards sind keine Fußgängerzonen: Der Autoverkehr ist vorhanden, aber nicht allein prägend, da es breite Gehwege, Radverkehrsanlagen, Straßenbäume und Cafés gibt.

Der Genius Loci

Auf die Eigenschaften und Entwicklungspotenziale der umgebenden Quartiere wird in den Perspektiven von SÖR nicht eingegangen. Auch für Autofahrer entstehen keine Stadteingänge, wenn die Umgebung hinter Betonwänden ausgeblendet wird. Für Nürnberg würde sich – nicht einfach, aber reizvoll – das Thema „Wasser in der Stadt“ anbieten – in Anknüpfung an den auf dieser Strecke überbauten alten Kanalhafen. Eine den Bedürfnissen und Besonderheiten des Ortes angemessene Gestaltung anstelle einer menschenfeindlichen Hauptverkehrsstraße ist ein wesentlicher Schlüssel zur urbanen Qualität.

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